Ein Film von Fabian Biasio im Auftrag von SRF DOK
Ein kleiner Mann untersucht ein grosses Klischee – und realisiert unterwegs, dass nicht seine Grösse das Problem ist, sondern unser Blick darauf.
Mehr erfahrenFabian Biasio erzählt aus 165 Zentimetern Höhe – persönlich, präzise und mit leiser Selbstironie. Als Filmemacher und Fotograf beobachtet er seit Jahren gesellschaftliche Bruchlinien. In «Kleine Männer – Klischees auf Augenhöhe» wird er selbst zur Projektionsfläche und führt offen durch ein oft übersehenes Thema.
Mehr erfahrenDer Film begleitet Menschen, die das Thema «kleine Männer» aus völlig unterschiedlichen Perspektiven leben: Nando auf seiner Wachstumstherapie, Emu auf der Suche nach Liebe, eine Partnervermittlerin zwischen Ideal und Realität, Prof. Eiholzer im PEZZ, sowie Forscherin Monika Kozłowska, die den Napoleon-Komplex vermisst.
Mehr erfahrenHinter dem Film steht ein engagiertes Team aus Kamera-, Ton- und Produktionsprofis, das über Monate hinweg mit Präzision und grosser Hingabe gearbeitet hat. Ihre Aufmerksamkeit fürs Detail, ihr Vertrauen und ihr hoher Einsatz haben diesen Blick auf kleine Männer erst möglich gemacht – hier bei der Partnervermittlerin Andrea Klausberger.
Mehr erfahrenKleine Männer gelten schnell als ehrgeizig, laut oder aggressiv. Die Forschung dazu ist widersprüchlich – und faszinierend. Von der dunklen Triade über Machtfantasien bis zu prägenden Kindheitserfahrungen zeigt der Film, wie Klischees entstehen und warum sie sich so hartnäckig halten.
Ich bin 165 cm gross. Ein Wert, der früher einmal Durchschnitt war und heute zuverlässig unterhalb der statistischen Norm liegt. Lange spielte diese Zahl in meinem Leben keine Rolle – bis ich merkte, dass sie für andere sehr wohl etwas bedeutet. Körpergrösse ist eine stille Währung. Man spricht nicht darüber, aber sie entscheidet vieles: Wahrnehmung, Chancen, Selbstbild.
Mit diesem Film wollte ich nicht beweisen, dass kleine Männer besonders sind. Ich wollte zeigen, dass sie gewöhnlich sind – und doch ungewöhnlich oft beurteilt, belächelt oder übersehen werden. Die Geschichten, denen ich begegnete, reichen von medizinischer Notwendigkeit über schmerzhafte Eingriffe bis zu gesellschaftlichen Erwartungen, die tiefer sitzen, als man glaubt.
Dass ich selbst im Film auftauche, ist kein Kunstgriff, sondern eine einfache Konsequenz: Wer über Klischees kleiner Männer spricht, kann schwer danebenstehen. Humor hilft, Distanz zu schaffen. Selbstironie auch. Aber im Kern geht es um etwas Ernstes: um Menschen, deren Leben durch ein paar Zentimeter beeinflusst wird – weil wir alle glauben, genau zu wissen, was Grösse bedeutet.
Ich wünsche mir, dass dieser Film den Blick weitet. Nicht nach oben, nicht nach unten. Sondern genau dorthin, wo Begegnung stattfindet: auf Augenhöhe.
– Fabian Biasio
Zahlreiche internationale Studien zeigen: Kleine Männer verdienen weniger, finden seltener eine Partnerin und erleben häufiger Zurückweisung. Was für viele wie ein oberflächlicher Faktor klingt, prägt Biografien – manchmal lebenslang.